„Ungarische Melodie“

Franz Schubert und seine Träume vom verlorenen Paradies
Ein Porträt des Komponisten in Selbstzeugnissen, Gedichten seiner Freunde und Musik

 

Klavier und Konzept: Sebastian Knauer

Textzusammenstellung: Wolfgang Knauer

 

„Wollte ich Liebe singen, ward sie mir zum Schmerz. Und wollte ich wieder Schmerz nur singen, ward er mir zur Liebe.“ So steht es in Schuberts autobiographischem Fragment „Mein Traum“, einem Text, der einerseits seinen ihn quälenden Vater-Komplex widerspiegelt, andererseits von seiner Sehnsucht nach einer Welt der Liebe, Freundschaft und Güte zeugt. Der Komponist, der lange Zeit als gemütlich-unbeholfener und immer etwas schüchterner Musikant gesehen wurde, aus dem wie in genialer Trance Lieder und Instrumentalwerke nur so hervorsprudelten, erscheint in der Traum-Allegorie als ein tiefgründig reflektierender Künstler, der den Quellen seines musikalischen Schaffens intensiv nachspürte. „Meine Erzeugnisse sind durch den Verstand für Musik und durch meinen Schmerz vorhanden“, äußerte er an anderer Stelle.

 

In seinen Gedichten wie auch in Briefen und Tagebuchnotizen hat sich Schubert auch mit den Lebensumständen seiner Zeit auseinandergesetzt, die geprägt waren von katastrophaler Wirtschaftsmisere und polizeistaatlicher Bevormundung der Bürger. Unter der Überschrift „Klage an das Volk“ zeichnete er ein dunkles Bild von der „miserablen Wirklichkeit“ des Systems Metternich, das geistigen und kulturellen Stillstand bedeutete und darauf zielte, das Volk zu braven Untertanen zu machen. „O Jugend unsrer Zeit, du bist dahin“, heißt es in Schuberts Gedicht, das allein der Kunst noch die Möglichkeit einräumt, „den großen Schmerz zu mildern“.

 

Auch wenn sich Schubert nicht unmittelbar gegen das Willkür- und Zensur-Regime im damaligen Österreich aufgelehnt hat, so befand er sich doch eindeutig auf Seiten jener jungen Dichter und Literaten, die mit ihren freiheitlichen Vorstellungen in Opposition standen und von einer besseren Zukunft träumten. Seine künstlerische Folgerung bestand in dem Versuch, die Wirklichkeit durch Phantasie, das „höchste Kleinod des Menschen“, zu verschönern, ohne dass er sich allerdings der „unbegreiflichen Sehnsucht“ nach dem verlorenen Paradies entziehen konnte. So schrieb er 1823 „Mein Gebet“, das mit den Zeilen beginnt: „Tiefer Sehnsucht heil’ges Bangen will in schön’re Welten langen …“

 

In dem Programm werden die Texte von Klavier-Kompositionen Franz Schuberts umrahmt, u.a. von den Impromptus op. 90 und op. 142, die in seiner letzten Lebensphase entstanden und mit ihrem poetischen Reichtum zum Inbegriff Schubertscher Klaviermusik geworden sind.