„Auf Flügeln des Gesanges“

Felix Mendelssohn Bartholdy und die Sängerin Jenny Lind

 

Klavier und Konzept: Sebastian Knauer

Textzusammenstellung: Wolfgang Knauer

 

„Er war der einzige Mensch, dem ich eine tiefe Zuneigung entgegen brachte. Der einzige, der meinem Gemüt Ruhe geben konnte, und kaum hatte ich ihn gefunden, da habe ich ihn nun wieder verloren.“ So schrieb die Sängerin Jenny Lind im Dezember 1847, einen Monat nach dem plötzlichen frühen Tod Felix Mendelssohn Bartholdys, an eine mütterliche Freundin.

 

Die schwedische Operndiva, die dem erfolgreichen Komponisten und gefeierten Dirigenten drei Jahre zuvor zum ersten Mal begegnet war, stand nach Darstellung ihrer Biografen unter Schock. Sie hatte den elf Jahre älteren – und verheirateten – Mendelssohn nicht nur als Künstler vergöttert, sondern nach eigener Aussage auch geliebt. Seit einer gemeinsamen Rheinfahrt wollten die Gerüchte nicht verstummen, dass er ihre Gefühle erwidert habe, doch Belege für eine Romanze zwischen den beiden gab es nie.

 

Stattdessen spricht viel für die Vermutung, dass der auf dem Höhepunkt seines Ruhms stehende Gewandhauskapellmeister seinem Grundsatz „Leben und Kunst sind nicht zweierlei“ ebenso treu blieb wie seiner Frau Cécile.

 

Fest allerdings steht, dass Mendelssohn die junge Schwedin und ihre Gesangskünste außerordentlich geschätzt und eine enge Seelenverwandtschaft zu ihr gefühlt hat. Aus der Freundschaft, die er für Jenny Lind empfand, machte er kein Hehl, auch wenn er dadurch den Argwohn seiner Frau erregte. Für die Stimme der in ganz Europa bejubelten Sängerin begeisterte er sich so sehr, dass für sie die Sopranpartie seines Oratoriums „Elias“ schrieb.

 

In dem Wort-Musik-Programm „Auf Flügeln des Gesanges“ wird die Verbindung zwischen Mendelssohn und Jenny Lind nach Briefen und Zeitdokumenten nacherzählt.

 

Es zeichnet zugleich die letzten Lebensjahre Mendelssohns nach, die geprägt waren von rastloser und kräftezehrender Tätigkeit als Komponist und Dirigent und mit seinem unerwarteten Tod nach zwei Gehirnschlägen endeten. Musikalisch umrahmt wird der als Erinnerungen von Jenny Lind verfasste Text von Klavierwerken Mendelssohns, u.a. den populären „Liedern ohne Worte“ und den „Variations sérieuses“, einem der Gipfelwerke der romantischen Klavierliteratur.